
Im Olymp der Handtaschengötter scheint „Hermès” wie ein Gottvater über allen Anderen zu thronen. Der Sattler Émil-Charles Hermès gründete das Haus Hermès 1837 und stellte zunächst für viele Handelshäuser seiner Zeit und auch für die Droschkenkutscher an den Champs-Élysées Reitausstattung und Zaumzeug her. Schnell wuchs sein Unternehmen, welches bald im Herzen von Paris, in der Rue du Faubourg-Saint-Honoré 24, sein Stammhaus eröffnete. Noch heute residiert Hermès an dieser Adresse. Als das Automobil die Pferdekusche als Transportmittel abzulösen begann, verlagerte das Familienunternehmen die Schwerpunkte seines Know-Hows und eroberte sich neue Geschäftsfelder: Zunächst wurden Reisekoffer und –taschen hergestellt, wobei die typischen Sattlernähte jedoch beibehalten wurden und zu Markenzeichen der Hermès-Koffer wurden. 1917 erweiterte man das Repertoire, nachdem Émil Hermès auf einer Kanada-Reise den damals noch relativ neuen Reißverschluss kennengelernt hatte. Er sicherte sich hierfür das Patent und brachte die Bugatti-Tasche für Autofahrer heraus, die mit einem speziellen Reißverschluss versehen war. In der Folge produzierte Hermès eine ganz Reihe von Taschen, die ausgehend vom immer gleichen Grundtypus aber alle ihrer Zeit entsprachen. In den 50er Jahren gelang dann der Durchbruch mit der legendären Kelly-Bag.

Diese wurde schnell zur erfolgreichsten Handtasche des 20. Jahrhunderts und zu einem echten Dauerbrenner. Filmstars wie Marlene Dietrich, Ingrid Bergmann und die namensgebende Grace Kelly liebten die stilvollen und luxuriösen Handtaschen des Hauses Hermès und gehörten zur Stammkundschaft. Die klassische Hermès-Tasche war aus Schweinsleder und hatte eine tief heruntergezogene Klappe sowie einen rechteckigen Drehverschluß, zwei mit Wildleder gefütterte Innenfächer sowie ein mitgeliefertes Kalenderetui. Mit jüngeren Entwürfen wie der „Bolide” (1988), der kleinen „H”, einer Lederschultertasche von 1990, sowie der 1994 herausgebrachten „Macpherson Bag”, welche nach dem Supermodel Elle Macpherson benannt war, setzte Hermés immer wieder markante Ausrufezeichen. Alle Hermès-Produkte zeichnen sich besonders durch Funktionalität, unprätentiösen Stil und Qualität aus. Sogar die typische Verpackung, die berühmten orangefarbenen Hermès-Schachteln, sind als Sammlerobjekte heiß begehrt. Hermès beschränkt sich heutzutage schon lange nicht mehr nur auf Lederwaren. Seit langem gehört modische Kleidung zum Sortiment des Unternehmens. Besonders bekannt sind die beliebten Seidentücher mit den Reit-Emblemen.