Geschichte
Ganz gleich ob lässig, bunt, klassisch oder verspielt, ob über die Schulter gehangen oder unter den Arm geklemmt, kaum eine Frau ist ohne Handtasche unterwegs. Während Männer wenn nötig auf Rücksäcke oder Umhängetaschen zurückgreifen, schwören Frauen auf ihren unentbehrlichen tragbaren Hausstand. Geldbörsen, Taschentücher, Kosmetik, Papiere oder Handys verschwinden in den neuesten Kreationen der Taschenindustrie.
Obwohl Handtaschen vorrangig einen praktischen Zweck verfolgen, sind Farbe, Material und Design keine Grenzen gesetzt. Aber das war nicht immer so. Die Geschichte der Handtasche reicht weit zurück und begann recht unspektakulär. Im Mittelalter trugen die Frauen ihre Habseligkeiten am Gürtel, später dann in Taschen, die in die Röcke eingenäht waren. Die Entstehungsgeschichte der Handtasche in ihrer heutigen Form begann im 18. Jahrhundert, als die Mode raffiniertere Akzente bekam und die Schnitte eng anliegender gearbeitet wurden. Die allerersten Handtaschen ließen gerade Platz für ein Taschentuch und ein Fläschchen Riechsalz. Meist aus Seide war der Pompadour-Beutel, welcher keinen festen Boden besaß und sich mit Schnüren zusammenziehen ließ.
Ein wahrer Modeartikel zu werden begannen Handtaschen erst Ende des 19. Jahrhunderts, als französische Modeschöpfer diese Marktlücke entdeckten und anfingen, mit Materialien und Formen zu experimentieren. Als erste “Design-Stücke” lassen sich die prächtig bestickten Gobelin Taschen bezeichnen. Um 1930 kamen die ersten Umhängetaschen auf den Markt. Ab 1950 zeigte Frau sich mit Nylon- oder PVC Taschen. In den 1970iger Jahren fertigten Edeldesigner wie Joop oder Bogner ihre ersten unverwechselbaren Stücke. Handtaschen aus Krokodil- oder Schlangenleder dürfen seit dem Artenschutz Abkommen von 1976 nicht mehr produziert werden. Rare noch vorhandene Exemplare erzielen auf Auktionen horrende Summen. Als Alternative gilt ähnlich strukturiertes Rindsleder.
Handtaschen sind ein Stück Zeitgeschichte und prägen ihre Trägerinnen. Seit Grace Kelly nebst Handtasche 1956 auf dem Cover der “Life” erschien, ist die Kelly Bag legendär. Die Medienlandschaft der 1980iger Jahre wurde entscheidend mitbestimmt durch die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Prägend für eine ganze Generation der Damen von Welt wurden Frau Thatchers Handtaschen. Kult ist auch die Smiley Tasche von Moschino.
Als die Handtaschen ihren Siegeszug antraten, begann auch die Geburtsstunde ihrer vielen berühmten Hersteller. In Frankreich waren das Namen wie Hermès und Louis Vuitton, in Italien Prada, Fendi, oder spätestens seit 1947, als er seine Bambushandtaschen entwarf auch Gucci. Das berühmte “Nova Check” Muster steht für den englischen Markführer Burberry. Lulu Guinness machte sich einen Namen mit verspielten Formen und gewagten Farben ihrer Taschenmode. In Deutschland eroberten Mädler, Goldpfeil und Aigner den Markt. Gegenwärtig dominieren Bree aus Hamburg und Picard aus Obertshausen. Wer die Geschichte der Handtaschen live verfolgen möchte, kann das im einzigen Handtaschenmuseum in Amsterdam tun. In einem historischen Gebäude an der Herengracht sind 3500 Exemplare zu bestaunen. Auch angesagte Designer stellen in wechselnden Ausstellungen ihre Kreationen zur Schau.












